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Online-Ausstellung
Warum humanistische Bildung?
Worin besteht die bleibende
Aktualität humanistischer Bildung?
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"Humanistische Bildung ist nicht dazu da, unsere Probleme
zu lösen, sondern sie sichtbar und verständlich
zu machen. Humanistische Bildung ist kein abzufragendes
Kulturgut, sondern ein Weg, sich im Leben zu
orientieren."
(Richard von Weizsäcker)
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Bei der Beschäftigung mit der Lektüre von Werken
eines Homer, Sophokles, Platon, Cicero, Vergil
oder Horaz begegnen einem viele wichtige Fragen:
Wozu braucht man ethische Normen? Wozu
Gesetze? Was spricht für, was gegen die verschiedenen
Staatsformen? Wo liegen die Grenzen legitimer
staatlicher Macht?
Die Beschäftigung mit solchen Grundfragen
kann gerade Schülern wertvolle Anstöße für die
Entwicklung ihres ethisch-politischen Urteilsvermögens
geben. Worauf es ankommt, ist, sich
um die bestmögliche Entwicklung des ethischpolitischen
Urteilsvermögens junger Menschen
mit allen Kräften zu bemühen. Denn von diesem
Vermögen hängt nicht weniger ab als das Funktionieren
der Demokratie.
Die PISA-Studie hat eindeutig Defizite in der Lesefähigkeit
und in den mathematischen Kenntnissen
deutscher Schüler festgestellt. Der Latein und
Griechischunterricht fördert:
-
die Lesefähigkeit durch jahrelanges intensives
und systematisches Einüben
-
die Fähigkeit des problemlösenden Denkens,
da man beim Übersetzen immer wieder den
trainingswirksamen Prozess des Fixierens, Prüfens
und Korrigierens der eigenen Vorannahmen
durchlaufen muss
Wir stellen Latein und Griechisch nicht über die
anderen Fächer. Den besonderen Bildungswert
der alten Sprachen sehen wir nicht in ihrer Höherwertigkeit,
sondern in der nützlichen Andersartigkeit
ihrer Bildungswirkung. Jedes Fach hat seinen
eigenen Bildungsauftrag; und kein Fach ist durch
die anderen ganz ersetzbar. Worauf es ankommt,
ist, dass die verschiedenen Schulfächer mit ihren
jeweils eigenen Bildungswirkungen sich zum
Wohl der Lernenden pädagogisch möglichst vorteilhaft
vorteilhaft
ergänzen. Die inhaltliche Andersartigkeit
wird besonders augenfällig, wenn man sich eines
klarmacht: Kenntnis der Gegenwart und Lernen
aus der Vergangenheit - nur dadurch entsteht
Zukunftsfähigkeit! Fundierte Allgemeinbildung
setzt die Beschäftigung mit Gegenwart und Tradition
voraus.
Was Europa zusammenhält, ist weniger seine
Wirtschaftsgemeinschaft, sondern vor allem seine
Kulturgemeinschaft. Die Zuwanderungs- und
Integrationsdiskussion hat die Frage nach der
kulturellen Identität Europas neu aufgeworfen.
Sie führt zu einer neuen Wahrnehmung, ja zu
einer "Wiederentdeckung" der erstaunlichen Kulturverwandtschaft
aller europäisch-westlichen
Gesellschaften: Sind Menschenrechte, Toleranz,
Demokratie, Rationalität und Wissenschaft nicht
ursprünglich europäische Werte? Gehören sie
nicht ganz wesentlich zur europäischen Identität?
Diese Werte sind auf unserem Kontinent keineswegs
für alle Zeiten gesichert; sie müssen von
jeder Generation neu erworben werden. Damit
gewinnt die Frage nach der Entstehung dieser
Werte eine ganz neue, unmittelbare Aktualität.
"Die Anderen - Moslems, Hindus, Konfuzianer - ... sind
sich ihrer Sache sehr viel mehr bewusst als wir doch sehr
'wischiwaschi' gewordenen Europäer. Die werden uns
fragen: Was sind die Grundlagen eurer Kultur ...? Und
sie werden uns sehr genau darauf abklopfen, ob wir von
diesen Grundlagen etwas wissen, ob wir von ihnen noch
erfasst sind, ob wir zu ihnen noch stehen ..."
(Roman Herzog)
© 2012 Ev. Gymnasium zum Grauen Kloster
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