Evangelisches Gymnasium zum Grauen Kloster Fachbereich Englisch
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Letters from students abroad

Wiebke A.

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England 2001

Als ich gestern eine e-Mail mit der Bitte bekommen habe, etwas über meine Erfahrungen hier in England zu schreiben, habe ich mich gleich mal hingesetzt und losgeschrieben, weil es ja auch fuer mich eine Art interessanter Rückblick ist.

Ich bin also wie gesagt in England, um genau zu sein an der Ostküste Englands, im County North Yorkshire. Ich lebe in Scarborough, einer wunderschönen Küstenkleinstadt an der Nordsee (auch wenn das komisch klingt).
Es ist typisch englisch hier: kleine, rote Reihenhäuser, viele Park- und Grünanlagen und eine Burgruine, die auf einem Berg von überall zu sehen ist. Das "Towncenter" kann man gut mit der Altstadt Spandau vergleichen, wie mir einer der anderen Berliner hier bestätigt hat. In einer kleinen Fußgängerzone kann man einkaufen und trifft leider immer jemanden, den man kennt. Am Anfang empfand ich das als Großstadtkind sehr interessant, nach einer Weile fing es jedoch an, mir ziemlich auf die Nerven zu gehen. Man gewöhnt sich jedoch daran. Auch das Nachtleben ist sehr vielseitig, angeblich hat Scarborough mehr Pubs als Einwohner.

Mit der Sprache hatte ich eigentlich keine Probleme. Am Anfang habe ich zwar eine halbe Stunde gebraucht um meinen Namen zu sagen (Zitat), aber auch dass wurde schnell besser. Ich musste mich nur an den Yorkshire Akzent gewöhnen, der mich, die an das Queen`s English gewöhnte Schülerin, doch sehr zum Lachen gebracht hat. Dieser Akzent hört sich nämlich so an, als würde ein sprachunbegabter Deutscher versuchen, Englisch zu reden.
In England gelten Leute mit diesem Akzent als ländlich und ein wenig langsam, aber lieb. Vor allem der Süden zieht über den Norden her, aber das wird von den Bewohnern hier mit barer Münze zurückgezahlt.

Meine Familie ist super, sie haben mich gut integriert und wie ein Familienmitglied aufgenommen. Sie haben drei kleine Kinder, die 4, 8 und 11 Jahre alt sind. Da ich viele Kinder im Haus gewöhnt bin, ist auch das kein Problem. Nur Daniel, der Jüngste, empfand mich wohl anfangs als ungebetenen Gast und hat mir unaufhörlich auf die Füße getreten, aber auch das hat um meiner Sicherheit willen aufgehört.
Die Familien werden vom Leiter meiner Organisation (English Experience, Brian Thompson, 104 Stepney Road, Scarborough) YO12 5BS England hier persönlich und sehr sorgfältig ausgesucht und mit Fragebögen traktiert. Bei Problemen ist er sofort zur Stelle und bemüht sich, gegebenenfalls eine andere Familie zu suchen.

Mit Freundschaften ist es so wie überall, es braucht natürlich eine Weile, bis sie sich entwickeln. In der ersten Zeit war ich manchmal ein wenig einsam, wurde aber zum Glück in solchen Fällen von meiner Familie auf Trab gehalten. Außerdem habe ich viel mit den andern Deutschen hier gemacht, was ich aber im Nachhinein auf keinen Fall empfehlen würde!
So langsam haben sich dann Freundschaften entwickelt. Im Orchester, wo ich Querflöte spiele, in meiner Scout Group, natürlich am College und im italienischen Restaurant, wo ich als Kellnerin arbeite.
Mir ist aufgefallen, je mehr man in seiner Freizeit unternimmt, desto schneller und besser lernt man andere Leute kennen. Es ist manchmal anstrengend gewesen, immer auf andere Leute zuzugehen, aber nach eine Weile stellt sich heraus, dass es sich wirklich lohnt.

Ich persönlich habe also wirklich tolle Erfahrungen gemacht und würde allen einen Austausch empfehlen. Und zwar nach England. Es ist nämlich nicht immer automatisch dort besser, wo man am weitesten von zu Hause entfernt ist.
England klingt zwar nicht aufregend, ist es aber hundertprozentig.

Viel Glück und alles Gute.
Love Wiebke