Evangelisches Gymnasium zum Grauen Kloster Fachbereich Englisch
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Letters from students abroad

Katharina H.

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Australien 2003

Ich habe in der 11. Klasse ein Auslandsjahr in Australien gemacht. Dort habe ich in Newcastle (ca. 150 km noerdlich von Sydney) bei meiner Patentante gewohnt und eine religioese Schule (Seventh Day Adventist) besucht. Die Schule war sehr streng. Vor allem an das Tragen einer Schuluniform musste ich mich erst mal gewoehnen. Es gab eine Winter- und eine Sommeruniform, die jeweils aus einem Rock und einer Bluse, einem Pullover, einem Blazer und natuerlich einer Krawatte bestanden.

Jeglicher Verstoss gegen diese Kleiderordnung, wie z.B. Haare Faerben, Nagellack, Schmuck, oder eine vergessene Krawatte, fuehrten zu Lunchtime-Detention, d.h. man musste in der 45-minuetigen Pause unter der Aufsicht eines Lehrers Aufsaetze ueber diverse Themen, Schulkleidung und Disziplin betreffend, schreiben.

Ansonsten hat mir die Schule gut gefallen. Ich habe schnell nette Leute kennen gelernt, und auch die meisten Lehrer waren sehr freundlich und hilfsbereit. Auch der Unterricht war oft sehr interessant. Wir haben viele Filme gesehen und unterrichtsbezogene Projekte und Exkursionen gemacht. Mathe, Englisch, Religion und Science (eine Mischung aus allen Naturwissenschaften) waren Pflichtkurse, ansonsten konnte man zwischen unterschiedlichen Faechern waehlen, wie z.B. Food Technology, History, Art, Design and Technology, PDHPE (Sport-Theorie) und Economics, so dass man am Ende sechs verschiedene Faecher hatte.

Es gab auch viele Sportangebote, wie touch football, netball, gymnastics, bowling, swimming und cross country. Das Schuljahr bestand aus vier sog. terms. Zum Halbjahres- und Schuljahresende gab es Pruefungen in den vier Pflichtfaechern. Am Ende der 11. Klasse gab es einen Prom (Abschlussball), wie man ihn aus den amerikanischen Highschool Filmen kennt.

Es war nicht immer leicht, am Wochenende etwas zu unternehmen, da es neben den Schulbussen kaum verlaessliche Busse gab, die planmaessig fuhren. So war man immer darauf angewiesen, von jemandem mit dem Auto gefahren zu werden. Dennoch unternahm ich viel mit Freunden, ging ins Kino, zu Parties, Shoppen und natuerlich zum Strand, der 15 Minuten vom Haus meiner Patentante entfernt war.

Mit der Familie meiner Patentante (Ehemann, 8jaehriger Sohn, 11jaehrige Tochter) habe ich mich auch die meiste Zeit gut verstanden und viel mit ihnen unternommen, u.a. auch Urlaub in den Blue Mountains (bei Sydney).

Ich war 11 Monate in Australien, von Juli bis Juni. Die Jahreszeiten sind dort genau umgekehrt. Als ich ankam, war gerade Winter. Es wird zwar nicht richtig kalt, aber es regnet viel und es ist windig. An Weihnachten ist dort Hochsommer, und ich habe es sogar geschafft, an Heiligabend einen Sonnenstich zu bekommen. Die Temperaturen steigen im Sommer bis auf 40 Grad C. Auch bei solchen Temperaturen musste man selbstverstaendlich die dicke Schuluniform tragen und durfte hoechstens einmal auf die Strumpfhosen verzichten; hitzefrei gab es erst ab 40 Grad. Verstaendlicherweise konnte man es da kaum erwarten, nach Schulschluss um 15.30 Uhr in irgendjemandes Pool zu huepfen.

Ueber Ostern haben mich meine Mutter und mein Bruder fuer drei Wochen besucht. Ich konnte es kaum erwarten, sie wieder zu sehen und ihn alles zu zeigen, worum sich mein Leben in den letzten 8 Monaten gedreht hatte. Wir sind zwei Wochen lang durch Australien gereist und haben einige der zahlreichen Wunder dieses Landes besucht, wie z.B. Sydneys Sehenswuerdigkeiten, Alice Springs, den Ayers Rock, wo wir auch viel ueber die Aborigines erfahren haben, und den King's Canyon. Natuerlich war das laengst noch nicht alles, was es auf diesem wunderbaren Kontinent zu sehen gibt.

Ich habe auch fest vor, noch einmal zurueck zu fliegen, um mehr von der tollen Landschaft und der interessanten Kultur zu sehen. Ich habe in diesem Jahr viele neue Erfahrungen gesammelt, viele Leute kennen gelernt, zu denen ich auch immer noch Kontakt habe, hatte viel Spass und habe viel gelernt.

Aber es gab auch weniger gute Zeiten. Manchmal hatte ich Probleme mit meiner Patentante, da ich sie nur von ihren kurzen Besuchen auf ihren Deutschlandreisen kannte, und sich herausstellte, dass wir doch zwei sehr verschiedene Menschen sind. Ausserdem fiel es mir nicht immer leicht, regelmaessigen Kontakt zu meinen Freunden in Deutschland zu halten, da ich ja einen voellig anderen Lebensrhythmus und auch immer weniger Zeit hatte. Dennoch habe ich gluecklicherweise die meisten Freundschaften trotz grosser Entfernung aufrecht halten koennen.

Es war auch schwer fuer mich, damit klarzukommen, dass einigen Leuten aus meiner Klasse die Freundschaft mit mir nur so lange wichtig war wie ich das neue "German girl" war und sie sich, nachdem sich alle an meine Anwesenheit gewoehnt hatten, nicht mehr fuer mich interessierten. Aufgrund meiner (wenn auch teilweise nur oberflaechlichen) Beliebtheit an meiner Schule hatte ich auch einige Neider, die mir ihre Abneigung offen zeigten, indem sie z.B. ueble Geruechte ueber mich erfanden. Aber auch negative Erfahrungen sind Erfahrungen und helfen einem weiter und staerken den Charakter und das Durchsetzungsvermoegen.

Insgesamt war es ein tolles Jahr und ich rate jedem, der die Moeglichkeit hat, fuer einige Zeit ins Ausland zu gehen, sie zu nutzen.

Katharina H., 2004