Evangelisches Gymnasium zum Grauen Kloster Fachbereich Englisch
 Information & Organisation | Students Abroad | Partner Schools | Alumni
Home
Information
Exchange
Journeys
Projects
Links
Letters from students abroad

Nuria J.

<< zurück


South Africa 2003

Für mich stand eigentlich von Anfang an fest, dass ich nicht z.B. in die USA – wie alle anderen auch – sondern nach Suedafrika gehen wollte, und zwar fuer ein ganzes Jahr. Ueber meinen Entschluss bin ich sehr froh, denn es war eines der schoensten Jahre meines Lebens. Im August 2002 flog ich also mit einer großen Maschine ber den Atlantik, den beruehmten Tafelberg und das wunderschoene Kapstadt. Der Anblick war atemberaubend!

In Suedafrika gibt es "black, coloured and white people", die "Coloureds" haben beispielsweise einen deutschen Ur-Ur-Großvater. Anfangs lebte ich mit einem anderen Maedchen aus Berlin zusammen in einer farbigen Familie. Wir wurden von der riesigen Familie sehr herzlich aufgenommen; ich hatte das Gefuehl, ich wuerde mir die Namen nie merken... Ich hatte eine 12-jaehrige Schwester, mit der ich mich bis zum Schluss sehr gut verstanden habe, einen 18-jaehrigen Bruder, eine 27-jaehrige Schwester, die hinten am Haus mit ihrem Mann und ihrem Sohn (1 Jahr alt, extrem suess!) in dem "granny-flat" wohnte, eine 24-jährige Schwester, die oben in Johannesburg lebte und natuerlich Mutter und Vater - Krankenschwester und "school driver". Bis auf meine Schwester und ihren Mann war die gesamte Familie anglikanisch, das ist eigentlich eine Mischung aus evangelisch und katholisch. Die Gottesdienste waren wirklich schoen und bewegend!

Wir hatten eine Woche Zeit, um uns an alles etwas zu gewoehnen, dann mussten wir zur Schule gehen: Es war eine public school, auf der ausschliesslich Farbige waren, sodass wir sehr auffielen. Die Schueler waren zwar alle wirklich nett und die Lehrer sehr gut, leider gab es dort aber keinerlei Disziplin, sodass man eigentlich nichts lernte. Nach einem halben Jahr haben wir dann die Schule gewechselt und sind auf eine Schule gegangen, die zwar oeffentlich war, auf der man aber trotzdem Schulgeld zahlen musste. Dort gab es viele Farbige und auch einige Schwarze und Weisse. In Suedafrika hat man in der Oberstufe nur sechs Faecher! Dafuer hatten wir zwei mal in der Woche eine "assembly". Jede Schule hat ihre eigene Schuluniform, sodass die Schueler die Schule repraesentieren, deshalb darf man z. B. waehrend man sie traegt nicht rauchen und keinen Unfug machen. Man staunte sehr ueber unsere deutsche Raucherecke...

Das Essen in Suedafrika unterscheidet sich sehr von unserem deutschen, es gibt viel Reis, manchmal Kartoffeln und jede Menge Huehnchen. Das meiste war "delicious" und ich vermisse es sehr. Spezialitaeten waren z.B. "Koeksisters" oder "Samoosas".

In Suedafrika gibt es bekanntlich elf Amtssprachen, Englisch und Afrikaans sind davon wohl die beiden, die jeder versteht. Afrikaans ist mit dem Niederlaendischen verwandt und die aeltere Generation der Menschen sprach es staendig, sodass auch ich es nach einiger Zeit verstehen, allerdings nicht sprechen konnte.

Die Waehrung ist der Rand, wobei ein Euro etwa 9 Rand entspricht. Daran gewoehnt man sich sehr schnell. Für drei Rand kann man mit einem Taxi in den naechsten Ort fahren. Die Taxen dort sind faszinierend: Es sind VW-Minibusse, die manchmal huebsch besprueht, manchmal klappernd und broeselnd und oft mit viel Bass durch die Gegend fahren. Vor unserer Schule stand einmal eines, in dem 29 Schueler sassen. Ansonsten gibt es nur noch einen Zug, ein paar Busse und den Schulbus, mit dem ich auch gefahren bin: Eines Tages ist wegen totaler Ueberladung und einer defekten Tuer einfach ein Schueler herausgefallen. Man schnallt sich im Auto auch nicht an (nur, wenn die Polizei kommt). Trotz alledem habe ich sehr wenige Unfaelle gesehen, die Hoechstgeschwindigkeit betraegt 120 km/h.

Nach etwa einem halben Jahr klappte es doch nicht mehr mit zwei Austauschschuelern in einer Familie, sodass ich schliesslich auszog und zu einer muslimischen Familie kam. Es war eine voellig andere Erfahrung, ich durfte sogar mit in die Moschee gehen. Mein Gastvater ist pensionierter Brieftraeger, meine Gastmutter hat ihren eigenen Kindergarten und mit meiner Gastschwester bin ich zusammen zur Schule gegangen und wir haben so gut wie alles zusammen unternommen, da wir im gleichen Alter sind und uns sehr gut verstanden haben. Meine zwei aelteren Gastbrueder waren schon ausgezogen. Diese Familie war sehr offen und liebevoll zu mir und hat dafuer gesorgt, dass ich mich richtig wohl dort gefuehlt habe. Ich wohnte nun in einer anderen Gegend: Von meinem Fenster aus konnte ich die "flats" sehen, Wohnungen fuer sehr arme Leute und von dort konnte man des Abends manchmal Schuesse hoeren; unser Viertel war aber sicher und mir ist niemals etwas passiert.

Ein Lehrer hatte uns einmal die "townships" mit den "shacks" (Wellblechhuetten) gezeigt, in denen die wirklich armen Mensche leben. Diese Orte koennen eine enorme Groesse annehmen. Wir konnten sehen, wie Suppe mit Tiergebissen gekocht wurde oder wie Kuhkoepfe zerteilt wurden. Das war ein sehr beeindruckendes und unvergessliches Erlebnis. Als ich mit meiner Organisation in Johannisburg war, haben wir auch Soweto besucht, das etwas ausserhalb liegt und konnten dort sogar in eine Huette gehen. Es ist vielleicht die groesste Township, in der viele arme Menschen leben, wo aber auch Nelson Mandela ein Haus hat. Von politischen Spannungen und Rassismus habe ich nicht so viel gemerkt, ausser, dass die Orte noch immer "nach Farben sortiert" waren und dass mir oefter "Hey Whitey! Give a 50 cents, man!" hinterhergerufen wurde.

Allgemein sind die Suedafrikaner sehr offen und herzlich und interessieren sich für fremde Kulturen. Im Gegensatz zu vielen Amerikanern wissen sie z.B. ueber die Berliner Mauer oder Adolf Hitler bescheid. Die Landschaft dort ist einfach wunderschoen, ich habe in beiden Familien in der Naehe des Meeres gelebt, und nach Weihnachten sind wir mit der ganzen Familie (der ersten) quer durch Suedafrika nach Johannesburg gefahren - da war es gerade Hochsommer!

Ich habe mein Austauschjahr sehr genossen und waere am liebsten laenger geblieben. Ich glaube, dass jeden, der einmal in Suedafrika war, das Land nicht mehr loslaesst! Ich moechte auf jeden Fall wieder dort hinfahren und koennte mir sogar vorstellen, dort zu leben...

Nuria J., 2003