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Letters from students abroad
Pia S.
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Buchanan, Australia; 2006
Herbst 2004: Als gerader versetzter Untersekundaner fristet man ein übermüdetes und leicht demotiviertes Dasein am Kloster, dessen Alltag nur durch illegale Ausflüge zum Bäcker etwas an Reiz gewinnt. Doch dann kommt ein Thema auf, das verspricht, all diese Langeweile zunichte und aus mir wieder einen umgänglichen Menschen zu machen...Der Auslandsaufenthalt!
Ich wollte diese Chance, ein Jahr lang allem den Rücken zu kehren und mich ein bisschen in Unabhängigkeit zu üben, auf keinen Fall ungenutzt lassen und entschied mich schon bald für Australien als Gastland. Nach fast einem Jahr gründlichster Vorbereitung durch meine Organisation iSt, erste Kontakte mit meiner Gastfamilie und dem (knappen) Überleben des 10. Schuljahres kam endlich der Tag meiner Abreise. Ohne viel Abschiedsschmerz bestieg ich mit einigen anderen Austauschschülern im Juli 2005 das Flugzeug und landete nach ungefähr 20 Stunden in Adelaide, der Hauptstadt von South Australia. Bevor mich auch nur irgendwelche Anflüge von Heimweh packen konnten, wurde ich von der (natürlich) besten Gastfamilie der Welt abgeholt, bestehend aus den Eltern Ken und Janette und ihren drei Kindern Cassy (14), Katrina (10) und Buchanan (6). Eine tolle und chaotische Familie, die sehr viel gemeinsam mit meiner eigenen hatte, und in der ich mich in keine Minute je unwohl gefühlt habe. In der ersten Woche ging ich zwar zeitgleich mit Buchanan ins Bett, weil der Jetlag kein Aufbleiben nach 20 Uhr zuließ, aber schon bald quatschte ich mit Cassy und den beiden Eltern bis weit nach Mitternacht.
Das Haus meiner Gastfamilie war wunderschön: in einem Vorort auf einer kleinen Anhöhe gelegen, blickte man direkt in dichten, grünen australischen Busch. Nachdem ich von Buchanan reizender Weise unterrichtet wurde, wie ich mich zu verhalten hätte, wollte ich die nächsten Monate überleben (im ans Haus grenzenden Busch lebte die zweitgiftigste Schlange der Welt), und nach der Sichtung des ersten 'echten' Koalas wurde ich nach den Ferien zum dritten Mal in meinem Leben 'eingeschult'...
Meine Schule, Pulteney, war eine Privatschule mit 700 Schülern, von der Vorschule bis zur 12. Klasse. Ich musste nur 6 Fächer belegen und konnte aus einem riesigen Angebot wählen, am Schluss entschied ich mich für Geschichte, Sport, Englisch, Mathe, Legal Studies (eine Art Jura für Anfänger) und Latein. Die Klassen waren sehr klein, die Zahl der verrückten Freiwilligen in meiner Latein Klasse betrug sogar nur vier. Natürlich trugen wir auch Schul- und Sportuniform, die aber in dunkelblau gehalten und somit sehr erträglich war. Ich muss sagen, ich vermisse sie sogar in Deutschland. Mit der Kommunikation gab es auch kaum Schwierigkeiten- nachdem ich mit liebevollem Spott von einigen meiner Freunden darauf hingewiesen wurde, dass die Tutorenstunde mittwochs 'Pastoral Care' und nicht wie von mir immer gedacht (und leider auch ausgesprochen) 'Personal Care' hieße...
Integriert wurde ich von meinen sehr aufgeschlossenen Mitschülern wahnsinnig schnell. Nach zwei Wochen ging ich mit ihnen schon am Wochenende weg, und bald gehörte 'Piiää' schon richtig dazu.
Auch der Sport trug dazu bei, dass ich bald von der 9. bis zu 11. Klasse fast alle meine Mitschüler kannte. Im Winterterm machte ich Cross Country Rennen und spielte Fußball, im Sommerterm war ich im Basketball-, Beachvolleyball- und Leichtathletikteam.
Zu den Lehrern, die verpflichtet waren, ein Team zu trainieren, hatte man dabei so ein fantastisches Verhältnis, wie ich es nie zuvor gekannt hatte. Auf einer sehr angenehmen Ebene waren sie gleichzeitig Freund und Autoritätsperson, was zu einer entspannten und immer heiteren Atmosphäre in der Schule führte. Die Identifikation mit der Schule war sehr groß, unter anderem dadurch bedingt, dass die Schülerschaft in vier 'Häuser' eingeteilt wurde: Diese Häuser führten untereinander Sportwettkämpfe aus und der Gewinner trug am Ende des Jahres einen riesigen Pokal nach Hause. (Jaha, fast wie bei Harry Potter...)
Besonders im Sportkurs unternahmen wir sehr viel, so waren wir zum Beispiel für vier Tage Bushwalking, machten einen Segel- und Surfkurs, schnorchelten und fuhren Kajak. Gegen das Sportfest kamen mir die Bundesjugendspiele klein vor, von Diskuswerfen und Hochsprung bis Hürdenlauf und Kugelstoßen gab es alles.
In den Ferien ging ich mit meiner Gastfamilie auf Reisen, so fuhren wir beispielsweise 14 Stunden lang im Auto zur Hauptstadt Canberra, was mit einem kleinen, nach zwei Stunden schon gelangweilten, 6-Jährigen auch ein echtes Erlebnis war... Mit einer anderen Gastschülerin reiste ich außerdem für einen Monat nach Sydney und Melbourne.
Weihnachten war natürlich ein besonderes Erlebnis, da die Jahreszeiten in Australien ja umgekehrt zu den unseren sind, so dass man am 25. morgens in glühender Hitze Bescherung feiert und den Kerzen am Baum beim Schmelzen zusieh... Sylvester verbrachte ich sogar bis kurz vor Mitternacht im Pool, um mich von der Mittagshitze (42°C) zu erholen!
Obwohl ich meinen Aufenthalt sogar schon um zwei Monate verlängert hatte, war im Juni dann unvermeidbar der Tag meines Abflugs gekommen. Nach einem traurigen Wochenende voller Tränen, einer Abschiedsparty und dem Versprechen, mich sofort nach dem Abi wieder blicken zu lassen, verließ ich Australien, um wieder sicher hinter die Klostermauern zurückzukehren... hoch motiviert versteht sich.
Nun dürfen natürlich auch die weisen Worte an potentielle Ausreißer nicht fehlen: Empfehlenswert ist es für jeden- denn abgesehen davon, dass ihr trotz eurer 3 auf dem Zeugnis evtl. im Englisch-LK landet ist es einfach eine schönes Gefühl, sich so einer Herausforderung einmal gestellt zu haben!
© Pia S., 4. Okt. 2006
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