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Ruderfreizeit der Mädchenruderriege vom 22. bis 24. Mai 2002
1. Tag
Endlich war es soweit: die Rudertage konnten beginnen. Nach zwei vergeblichen Anläufen in den Jahren zuvor klappte nun alles. Wir Lehrerinnen waren gesund, die Schülerinnen hatten sich zahlreich angemeldet, alle Aufgaben waren verteilt, das Essen war eingekauft, sogar der Wettergott war uns mit strahlendem Sonnenschein wohl gesonnen.
Am Mittwoch, den 22. Mai 2001 trafen wir uns - 33 Schülerinnen, Frau Dittmar und Frau Liegmann - am Bootshaus des Schülerinnenruderverbandes am Kleinen Wannsee. Drei Tage des Wanderruderns, Trainierens und Feierns standen vor uns.
Am Morgen wurden erst einmal Kleidung, Schlafsack und Isoliermatte im Saal verstaut, denn es sollte früh losgehen. Wir wollten endlich einmal Kilometer "fressen", um unsere etwas klägliche Kilometerliste aufzubessern. Ziel des ersten Tages war Potsdam Hermannswerder. Das Wasser lockte, die Sonne lachte, es fehlten also nur noch die Boote. Schnell wurden 6 Doppelvierer zu Wasser gebracht. Dann wurde noch reichlich Proviant verstaut - es war ja schließlich eine Tagestour geplant -, auch der Ratschlag der Lehrerinnen, sich doch bei angekündigten 28° mit Sonnenschutzmittel einzucremen, wurde weitgehend befolgt, und los ging's.
Zunächst ruderten wir bekannte Wege: den Kleinen Wannsee hinunter durch den Pohlesee und den Stölpchensee, dann zum Griebnitzsee, vorbei an prächtigen Villen, bis schließlich das Schloss Babelsberg und die Glienicker Brücke auftauchten. Doch nun musste kurz eine Pause eingelegt werden. Die ersten Plätze wurden getauscht Hungergefühle wurden gestillt, lange Hosen mussten gegen kurze gewechselt werden, hier wurde noch ein Sonnenhut hervorgeholt, dort musste erneut Sonnenschutzfaktor 30 aufgetragen werden, Gummibärchen wanderten von Hand zu Hand. ...so gestärkt ging es dann endlich in Gewässer, die den meisten Schülerinnen unbekannt waren. Wir bogen links ab in Richtung Potsdam.
Das Ufer linker Hand lockte mit schönen Badestränden, aber wir ruderten unermüdlich weiter. Es ging vorbei an stillgelegten Fabriken, unter der Humboldtbrücke hindurch, zu den Anlegestellen der Weißen Flotte, von dort weiter hinein in einen städtischen Kanal. Überall winkten uns freundliche Menschen zu, Ausflugsboote überholten uns. Ab und zu kamen auch Wanderruderer mit Reisegepäck und Transportrollen an uns vorbei. Schließlich landeten wir in einer größeren Bucht vor Hermannswerder und legten die zweite Verschnaufpause ein. Die Laune war allseits prima, wir hatten schon eine schöne Strecke geschafft und noch fühlten sich Hände, Schultern und Beine ganz gut an.
Wir traten also guten Mutes den Rückweg an, diesmal mit der Aussicht auf eine längere Erholungspause mit Anlegen am Ufer. Die Verlockung, ins Wasser springen zu können spornte alle noch einmal an und so wurden ein paar Schläge zugelegt. Unsere altbekannte Anlegestelle am Glienicker See war das Ziel. Doch aus der Badepause wurde leider nichts. Der "Strand" machte uns einen Strich durch die Rechnung. Steine und heftiger Wellenschlag, hervorgerufen von Lastkähnen, zwangen uns zu einer allzu kurzen Rast. Die Boote drohten, sich gegenseitig zu beschädigen oder am Boden zu zerkratzen.
Aber auch das konnte der guten Stimmung nichts anhaben. Wir waren nicht klein zu kriegen und ruderten unermüdlich weiter Richtung Heimat. Es war ja nicht mehr weit, und nach dem Anlegen wollten dann alle endlich ins Wasser. Doch die Rechnung war ohne Frau Dittmar gemacht worden. Kurz vor der Abzweigung des Teltowkanals beschloss sie, den Weg noch ein wenig auszudehnen, bog in den Kanal hinein und verschwand mit ihrem und den folgenden Booten aus den Blicken des letzten Bootes - des "Lumpensammlers" - mit Frau Liegmann an Bord. In deren Boot stieg leichte Panik auf: "Was? Dort sollen wir auch noch hinein? Wir können nicht mehr! Wir haben Blasen an den Händen, wir haben überall Sonnenbrände... Halt, Frau Dittmar, kommen Sie zurück!!"
Das letzte Boot verlangsamte das Tempo in der Hoffnung, die übrigen Boote würden wie durch ein Wunder wieder aus dem Kanal hervorkommen. Und siehe da, genau das taten sie auch! Der Grund war folgender: im engen Teltowkanal hatten sich die Wellen gegenseitig derart hochgeschaukelt, dass die Boote drohten, voll zu schlagen. Ein sofortiges Wendemanöver wurde also angesagt und schnellstens durchgeführt. Erleichterung machte sich überall breit: es ging nun doch direkten Weges zum Bootshaus, auftauchende Blessuren an den Händen und gerötete Haut konnten behandelt werden, und endlich durfte auch gebadet werden.
Wieder am heimatlichen Steg angekommen begann das übliche Ritual: Boote zu Land bringen, sie putzen und trocken wischen und ins Bootshaus tragen. Danach teilte sich die Gruppe in Koch- und Tischdienste auf; alle übrigen hatten frei, gingen schwimmen, spazieren, faulenzen. Das warme Wetter ließ es zu, dass wir den Abend draußen verbringen konnten. Gespannt warteten wir auf das "Menü". Die Küchenfeen hatten einige Dosen geschälte Tomaten genommen, dazu reichlich Tomatenmark, mehrere Packungen tief gefrorener Gewürze, saure Sahne, hatten alles ein Weilchen gekocht - und fertig war eine leckere Spaghettisauce für eine Menge hungriger Mäuler.
Danach war eigentlich ein bunter Spielabend geplant. Aber Trivial Pursuit, Monopoly oder Scrabble lockten niemanden an die Tische; alle hatten sich viel zu erzählen, saßen am Steg oder übten noch für die Lateinarbeit und das Sommerkonzert am kommenden Abend. Auch die für 22 Uhr angesetzte Nachtruhe wurde schon recht frühzeitig und nach nur zweimaligem Donnerwetter von Seiten der Lehrerinnen eingehalten!