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von Sebastian Rittau

Kinder von Tätern und Opfern

Was darf in der Andacht besprochen werden? und Darf eine Andacht abgebrochen werden? Diese beiden Fragen beschäftigen das Graue Kloster zur Zeit. Anlass zu diesen Diskussionen gab die Weihnachtsandacht von Helmar Fanselau. Als Aufhänger benutzte er die Überschrift eines Artikels aus der Dezember-Ausgabe 1996 von Das Graue Kloster: »Kinder von Tätern und Opfern«

In dem Artikel von Heiner Otterbach und Heidi Hilbig ging es um die Begegnung einer Schülergruppe vom Grauen Kloster mit einer Schülergruppe des Boyar-Gymnasiums, Jerusalem. Fanselau benutzte die Überschrift, um die Kollektiv-Schuld der Deutschen an den Verbrechen des Dritten Reichs in Frage zu stellen.

Im Verlauf der Andacht ging Thomas Gärtner (Landesschulpfarrer von Berlin) zur Bühne, löschte die Kerzen des Adventskranzes und verhüllte das Kreuz. Als Fanselau die Andacht fortführte, ging Gärtner erneut nach vorne und forderte ihn auf, die Andacht zu beenden.

Über das Thema der Andacht gibt es geteilte Meinungen: Während vor allem die Schüler der unteren Jahrgänge Fanselaus Vortrag interessant fanden, waren die meisten Lehrer des Kollegiums verärgert. Trotzdem stieß der Abbruch der Andacht bei den meisten Teilen sowohl der Lehrer- als auch der Schülerschaft auf Ablehnung. Die Meinungsfreiheit gehe vor, auch wenn das Thema nicht einer Andacht (zumal einer Weihnachtsandacht) angemessen sei.


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